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Die 90er Jahre: Musikalisches, Kulturelles und Persönliches aus einer fast vergessenen Zeit

Vor 20 Jahren: David Hasselhoff kam – die Mauer ging

David Hasselhoff hat die  Mauer zum Einsturz gebracht. Das weiß mittlerweile jeder. Damals war uns das jedoch noch nicht so wirklich klar.  Die meisten belächelten den singenden Bademeister eher und hätten ihm wahrlich niemals zugetraut, dass er jemals eine solch wichtige Rolle spielen würde. Aber es war natürlich sein Titel “Looking for Freedom”, der uns Deutsche wieder zusammenführte!

Vor 20 Jahren – es war wohl der 10. November 1989 – saß ich mit meinen Eltern und Bekannten im Wohnzimmer und wir schauten uns in der Tagesschau die Nachrichten vom Mauerfall an. Da Göttingen ja nicht weit von der ehemaligen Grenze liegt, entschieden wir uns spontan dafür, mal ins Stadtzentrum zu gehen und zu schauen, welch nette Party die lieben Göttingen dort abfeiern würden.  Nunja…von Party war jedoch nicht viel zu spüren. Wir fanden uns plötzlich zwischen zwei rivalisierenden Gruppen wieder… Von rechts schallte es “Deutschland, Deutschland!” von links tönten “Nie wieder Deutschland!” Sprachchöre. Als meine Eltern endlich merkten, dass es sich dabei um ca 100 Nazis auf der einen und doppelt so vielen Antifaschisten auf der anderen Seite handelte, flogen auch schon die ersten Flaschen….

Nunja, so waren wir dann ganz schnell wieder zuhause und ich ließ zum Runterkommen erstmal mein damaliges Lieblingslied über die Stereoanlage laufen.  Meine Eltern fanden “Looking for Freedom” natürlich doof, aber ich wusste damals schon, dass dieser Titel für die Wiedervereinigung extrem wichtig war. Gott sei Dank sollte ich Recht behalten, denn zur gesamtdeutschen Silvesterfeier am Brandenburger Tor ein paar Wochen später zollte eine Nation seinem Erlöser endlich Tribut. David Hasselhoff durfte seinen Hit live im TV vor hunderttausenden Bürgern nochmals zum Besten geben. HAMMER! Wenn man im unteren Video zu Minute 03:22 vorspult sieht man etwas auf the Hoffs Kopf zufliegen. Mein Gott, man stelle sich vor, der Gegenstand, bei dem es sich entweder um einen Feuerwerkskörper oder die frisch entleerte Sektflasche eines angenervten Zuschauers handelt,  hätte unseren David tatsächlich getroffen. Was hätte die Welt nicht alles verpasst!
Direktlink zum Video auf Youtube

Nachtrag: ich hab lange gesucht…und wo hab ich es gefunden? Auf David’s eigener Website….dem Hoff-Space! Ich denke ich werde mich mal da anmelden und dann auch berichten was da so abgeht. Hier also das Video von den EMA’s 20 Jahre nach dem Ereignis von oben. Auf jeden Fall anschauen, der Typ hat’s einfach drauf!

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“Looking for Freedom” oder: Es lebe das Fernsehen!

Vor 20 Jahren hatte ich ein Hobby, das ich voller Leidenschaft mit meinen besten Kumpels, meiner Schwester….ja, eigentlich mit allen Leuten in meinem Alter teilte: Fernsehen gucken.
1989 verfügten wir “nur” über einen alten Sony Trinitron Fernseher mit Drehknöpfen. Mein Vater hatte ihn im Jahr 1974 extra für die Fußball WM angeschafft…für damals ca 1500!! Mark. In den 70ern war er damit der King…Farbfernseher waren da noch ein richtiges Statussymbol. Erstes, Zweites und Drittes Programm konnte man mit der zugehörigen Antenne noch ziemlich Problemlos empfangen. Mit den ersten Privatsendern erwies sich das allerdings nicht so einfach, meist waren auf dem Bildschirm nur Ameisen im Schneesturm zu erblicken. Mein Vater Hans, der in seiner Freizeit immer schon gelötet und getüftelt hatte, machte sich daraufhin an die Arbeit und entwarf zum Leidwesen meiner Mutter eine Antennenkonstruktion, die sich über das halbe elterliche Schlafzimmer erstreckte. Bevor man in den Genuß angenehmer Dauerberieselung kommen konnte, musste man nun zwar jedes mal gute 15 minuten Drähte verbiegen, aber dafür war man dann auch irgendwann am Ziel angelangt: RTL und SAT1!
Mein Kumpel Marc André fand diese fast tägliche Verbiegungs-Vorarbeit scheiße, denn bei ihm zuhause stand ein fetter Panasonic mit komfortabler Fernbedienung, großem Bildschirm…sogar einen Videorekorder hatten er und seine Mutter zuhause. Meine beste Freundin Luisa und ihre Schwester hingegen fanden die olle Glotze toll…denn ihre Eltern (wie es der Zufall so will -> beide Lehrer) wehrten sich vehement gegen die Anschaffung dieses süchtigmachenden Elektro-Unterhaltungsgerätes. Was sie ihren Töchtern mit dieser Verweigerungshaltung jedoch zumuteten wissen sie wahrscheinlich bis heute nicht. Ich kann mich erinnern, wie Luisa und ihre Schwester im tiefsten Winter heimlich in den Garten nebenan geschlichen sind, um auf dem Bauch liegend einen Blick auf Anna (diese fürchterlich langweilige ZDF-Weihnachtsballettserie im Jahre 1987) durch das Kellerfenster der Nachbarstochter zu erhaschen. Mir war das damals zu doof (und auch zu kalt)…wäre zu dem Zeitpunkt jedoch das A-Team oder Knight Rider gelaufen….wer weiß? Ich liebte diese Serien…und daher kann man mir wohl auch nicht ankreiden, dass ich auch die musikalische Karriere eines gewissen David Hasselhoff mit Begeisterung verfolgte. Looking for Freedom war im Frühjar `89 ja schon der absolute Oberkracher gewesen. Ende September vor 20 Jahren zeigte “the Hoff” dann jedoch, dass er auch sanftere Töne anschlagen kann. Mit “Flying on the Wings of Tenderness” schaffte er es zwar nicht mehr ganz in die Top 20, aber dafür in die Herzen unzähliger Töchter, Mütter, Schwiegermütter und Omis…. Ich hab es damals nie zugegeben…aber den Refrain fand ich irgendwie cool. Daher hier nochmal für alle zum Mitsingen:

Direktlink zum Video auf Youtube

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