Vor ca. 20 Jahren kam meine Mutter plötzlich auf die Idee, dass ihr damals 10-jähriger Sohn doch auch in den Genuss musikalischer Früherziehung kommen sollte. Also wurde eine Melodica angeschafft und der kleine Moritz musste von da an jeden Mittwoch ins Konservatorium der Musik der Stadt Göttingen.
Natürlich hatte mich meine Mutter vorher gefragt und da ich keinen Plan hatte, wie mit diesem schwarz-weissen Ding umzugehen war, hatte ich bereitwillig zugesagt. Irgendwie fühlte ich damals, dass meiner Mutter das wichtig war und ich wollte sie nicht enttäuschen. Diese selbstlose Zusage meinserseits entpuppte sich jedoch als fataler Fehler. Meine Melodica-Lehrerin hatte die 60 schon überschritten und kam bei der Gestaltung der allwöchentlichen 45 Minuten alles andere als spaßig und locker rüber. Sie war mit der Betreuung der kleinen Gruppe, bestehend aus 6 gelangweilten Musikschülern, anscheinend überfordert und versuchte ihr pädagogisches Unvermögen durch einen harten Führungsstil wieder wett zu machen.
Mir ging aber nicht nur die Lehrerin, sondern auch die Melodica ansich schon aufgrund des Sounds auf die Nerven. Immer die selbe monotone Tonfarbe….und dann konnte man mit dem doofen Ding auch eigentlich gar nix nachspielen bis auf stupide 5-Finger-Melodien. Dazu kam, dass man die ganze Zeit sabbern musste, weil der Speichel aufgrund der großen Öffnung des Mundstücks nicht mehr aufzuhalten war. Er folgte einfach der Schwerkraft und sammelte sich in einem extra geschaffenen Speichel-Behältnis irgendwo im unteren Teil des Nervgerätes. Wie man die überflüssige Spucke wieder los wurde, zeigte uns unsere Lehrerin gleich in der ersten Stunde: Knopf am unteren Teil der Melodica drücken und pusten! Was dann folgte war eklig…gleichzeitig beförderten 6 Fünftklässler ihren Speichel auf den Teppichboden des Übungszimmers. Jetzt war mich auch klar warum es im Konservatorium immer so muffig roch.
Nunja…Gott sei Dank waren die Melodica-Stunden insgesamt auf 10 begrenzt und da es keine wirkliche Kontrollfunktion gab, gelang es mir das eine oder andere Mal, die Musikstunden zu schwänzen. Motiviert wurde ich dazu oft von meinem Kumpel Marc-André, der mich oft zu sich nach Hause einlud, um – na was wohl – Fernsehen zu gucken! Ein etwas schlechtes Gewissen hatte ich da schon….aber das wurde ganz schnell verdrängt, sobald unsere Lieblingsserien hypnotisierend auf uns einprasselten. Leider wurden meine Melodica-Kenntnisse nie auf Video festgehalten, aber sie entsprachen ungefähr den Fähigkeiten meines Leidensgenossen im unten verlinkten Video…laaangweilig!
Direktlink zum Video auf Youtube
gääääähhhn…..
11
Okt
Musikunterricht – laaaangweilig!
posted by moritz in Geschichten and have Comments (2)
2 Responses to “Musikunterricht – laaaangweilig!”
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Ich frage mich im Nachhinein: Wo zum Teufel spielt man diesen Kasten eigentlich außerhalb der Musikschule? Oder hast Du irgendwann mal einen Musiker damit rumtröten sehen?
Naja…ganz selten wird dieses Nervgerät auch für populäre Produktionen genutzt. Soweit ich weiß kommt zb in der Titelmelodie von “Die wunderbare Welt der Amélie” eine Melodica zum Einsatz.