…ach…ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen…
Vor 20 Jahren verbrachte ich meinen Sonntag Abend mit stets der selben Tätigkeit: Telefonieren.
Zwischen 18:00 und 20:00 lief damals auf meinem Lieblingssender NDR2 das Club Wunschkonzert mit Carlo von Tiedemann. Ein Mal “live” im NDR vor Millionen von Zuhörern sein ganz persönliches Lieblingslied anmoderieren…diesen Plan, der anscheinend nur durch die Überwindung der heftigsten Hindernisse zu realiseren war, hatte ich mir in den Kopf gesetzt. So saß ich also jeden Sonntag vor der Stereoanlage, das Telefon auf dem Schoß, und wählte mir die Finger wund. Die ersten Wochen gingen ins Land, alles was ich jedoch zu hören bekam war ein Besetztzeichen…nerv. Immerhin wurde bei uns irgendwann ein Telefon mit Tastenfunktion und Wahlwiederholungsknopf angeschafft, wodurch ich die Rate meiner Anrufe pro Minute enorm steigern konnte.
Ich war ein riesen Phil Collins und Genesis Fan und wollte damals unbedingt meinen Lieblingssong “No Son of Mine” hören…den Text für meine Anmoderation hatte ich mir fein säuberlich notiert… Nach einigen Wochen erfolgloser Telefoniererei passierte dann tatsächlich das Unglaubliche: eine junge Frau am anderen Ende nahm ab und fragte mich , welchen Titel ich denn nun gerne hören würde. Durch Euphorie und Aufregung kurz vor der Ohnmacht stehend stammelte ich meinen Wunsch in den Hörer, um die ernüchternde und absolut enttäuschende Antwort zu kassieren: “Tut mir leid, dieser Titel wurde diese Woche schon zu oft gespielt, möchtest du dir vielleicht einen anderen Song wünschen?”
Für mich brach eine Welt zusammen…da hatte ich es nun tatsächlich nach tausenden von Anrufen in die NDR Redaktion geschafft, aber MEIN SONG konnte nicht gespielt werden! Der Schock saß tief…damit hatte ich nicht gerechnet…ich war so perplex dass ich der Frau am Telefon nur mitteilen konnte, dass ich es dann nächste Woche wieder probieren würde…dann legte ich ohne einen Alternativtitel anzugeben den Hörer auf.
Zwei Wochen später schaffte ich es erneut, und obwohl ich mir vorsichtshalber eine Liste mit Alternativ-Hits notiert hatte (unter anderem stand dort Orinoco Flow von Enya – für meine Mama – drauf), wurde nach meiner 5-Sekunden-Ansage auch tatsächlich Genesis mit “No Son of Mine” gespielt. Das war der Hammer! Am nächsten Tag wurde ich von mehreren Leuten auf meinen krassen Auftritt angesprochen…ich war der King und meine Mission erfüllt! Ach ja, das waren noch Zeiten, als im Radio tatsächlich noch 6-Minuten-Songs gespielt wurden. Alles was heutzutage über 3 Minuten geht schafft es ja nicht mal in die Rotation….
Na, erinnert sich noch jemand an diesen 90er Hit?
Genesis – No son of Mine – MyVideo
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Vor 20 Jahren – das NDR2 Club Wunschkonzert
Vor 20 Jahren: David Hasselhoff kam – die Mauer ging
David Hasselhoff hat die Mauer zum Einsturz gebracht. Das weiß mittlerweile jeder. Damals war uns das jedoch noch nicht so wirklich klar. Die meisten belächelten den singenden Bademeister eher und hätten ihm wahrlich niemals zugetraut, dass er jemals eine solch wichtige Rolle spielen würde. Aber es war natürlich sein Titel “Looking for Freedom”, der uns Deutsche wieder zusammenführte!
Vor 20 Jahren – es war wohl der 10. November 1989 – saß ich mit meinen Eltern und Bekannten im Wohnzimmer und wir schauten uns in der Tagesschau die Nachrichten vom Mauerfall an. Da Göttingen ja nicht weit von der ehemaligen Grenze liegt, entschieden wir uns spontan dafür, mal ins Stadtzentrum zu gehen und zu schauen, welch nette Party die lieben Göttingen dort abfeiern würden. Nunja…von Party war jedoch nicht viel zu spüren. Wir fanden uns plötzlich zwischen zwei rivalisierenden Gruppen wieder… Von rechts schallte es “Deutschland, Deutschland!” von links tönten “Nie wieder Deutschland!” Sprachchöre. Als meine Eltern endlich merkten, dass es sich dabei um ca 100 Nazis auf der einen und doppelt so vielen Antifaschisten auf der anderen Seite handelte, flogen auch schon die ersten Flaschen….
Nunja, so waren wir dann ganz schnell wieder zuhause und ich ließ zum Runterkommen erstmal mein damaliges Lieblingslied über die Stereoanlage laufen. Meine Eltern fanden “Looking for Freedom” natürlich doof, aber ich wusste damals schon, dass dieser Titel für die Wiedervereinigung extrem wichtig war. Gott sei Dank sollte ich Recht behalten, denn zur gesamtdeutschen Silvesterfeier am Brandenburger Tor ein paar Wochen später zollte eine Nation seinem Erlöser endlich Tribut. David Hasselhoff durfte seinen Hit live im TV vor hunderttausenden Bürgern nochmals zum Besten geben. HAMMER! Wenn man im unteren Video zu Minute 03:22 vorspult sieht man etwas auf the Hoffs Kopf zufliegen. Mein Gott, man stelle sich vor, der Gegenstand, bei dem es sich entweder um einen Feuerwerkskörper oder die frisch entleerte Sektflasche eines angenervten Zuschauers handelt, hätte unseren David tatsächlich getroffen. Was hätte die Welt nicht alles verpasst!
Direktlink zum Video auf Youtube
Nachtrag: ich hab lange gesucht…und wo hab ich es gefunden? Auf David’s eigener Website….dem Hoff-Space! Ich denke ich werde mich mal da anmelden und dann auch berichten was da so abgeht. Hier also das Video von den EMA’s 20 Jahre nach dem Ereignis von oben. Auf jeden Fall anschauen, der Typ hat’s einfach drauf!
Leckmuschel oder Magic Gum? Taschengeld-Maximierung für Gewiefte…
Vor 20 Jahren gab es noch die D-Mark. Davon bekam ich im Jahr 1989 so ca. eine halbe pro Woche als Taschengeld von meinen Eltern. Das war zwar nicht besonders viel, aber es reichte aus, damit ich mich ab und zu neben meinem ersten Hobby – Fernsehen gucken – meinem zweiten Hobby – Süßigkeiten auswählen, kaufen und aufessen – widmen konnte. Mein Faible für Weingummi, Brausepulver und andere Köstlichkeiten hatte ich wohl von meinem Vater Hans geerbt, der auch jetzt – 20 Jahre später – immer noch regelmäßig eine Tüte Haribo unterm Kopfkissen verstaut und meiner Mutter durch lautes Geknister die Nachtruhe raubt. Nunja…immer wenn es Montags Taschengeld gab ging ich mit den 50 Pfennig zum Bäcker Gerhardy und haute die ganze Kohle auf den Kopp. Meine Favourites von damals gibt es heute tatsächlich immer noch: grüne Frösche, salzige Lakritzbrezeln und die gelben Bananen, die außer mir irgendwie keiner mochte. Das absolute Highlight war aber Magic Gum, das leckere Weltraum-Knall-Knister-Kaugummi, das ich mir sonst für 15 Pfennig pro Packung leistete. Das knallte und prickelte wenn man es auf die Zunge gab. Mit dem Zeug fühlte man sich einfach cool! Mein Verlangen nach solchem Süßkram wurde immer größer und daher musste eine alternative Geldquelle zu meinem stets leeren Sparschwein gefunden werden: Das Portemonnaie meiner Mutter. An die Geldbörse meines Vaters war leider nur schwer heranzukommen, da sie sich wirklich immer (und da gab es keine Ausnahme) in der rechten Hintertasche seiner Jeans befand. Meine Mutter ließ ihr Portmonnaie hingegen immer unbeachtet in ihrer Handtasche…sie vertraute mir und meiner Schwester halt. Was für ein Fehler! Es war für mich also ein Klacks zunächst immer nur ein paar Groschen zu mopsen. Irgendwann wollte ich jedoch mehr und wurde unverhältnismäßig gierig. Ganze 5 D-Mark, für mich damals ein halbes Vermögen, wanderten auf höchst illegalem Wege in meinen Besitz über. Ich wollte nicht, dass mich meine Eltern mit dem Geld erwischten bzw. irgendwie mitbekamen, dass ich plötzlich reich war. Ich konnte ja auch nicht einfach mit einer Riesen
tüte Süßigkeiten zuhause aufkreuzen, das wäre aufgefallen. Also heckte ich einen teuflischen Plan aus. Bevor wir eines Sonntags zum Italiener Essen gingen, lief ich nach unten und deponierte den Heiermann neben dem Bordstein. Als wir dann gemeinsam los wollten rief ich: “Guck mal Mama, 5 Mark! Die darf ich jetzt behalten!” Da meine Eltern ja nun direkte Zeugen meiner Entdeckung wurden stand de
m natürlich nichts entgegen. Ich war happy und investierte die Kohle tags drauf direkt wieder in süße Leckereien. Ich hielt mich für tierisch gerissen, aber leider ging meine grandiose Taschengeld-Maximierungs-Idee nur ein mal wirklich gut. Ich bekam dummerweise den Hals nicht voll und als ich es eine Woche später wieder mit der selben Masche versuchte ging meinen Eltern ein Licht auf: “So viel Glück auf einmal kann man gar nicht haben!” Die nächsten Wochen gab’s also kein Taschengeld, meine Mutter passte besser auf ihr Geld auf und ich bekam höchstens noch irgendwo ne Leckmuschel ab. Die waren aber lange nicht so cool wie Magic Gum sondern eher was für Weicheier!
Das ist der Li-La-Launebär…
…der macht uns oft das Leben schwer…
Tja…ist schon echt unglaublich, was man sich im Alter von 10 Jahren alles so für Schwachsinn reingezogen hat. Die liebe Marie hat mich netterweise an dieses Glanzlicht der deutschen TV-Geschichte erinnert. Als der Li-La-Launebär im Februar 1989 bei RTL auf Sendung ging, verbreitete sich die frohe Kunde des neuen Showformats mit extrem hohem Entertainmentfaktor wie ein Lauffeuer unter den 6-12-Jährigen. Zu dieser Zeit ging das noch über die oldschool Schulhof-Mund-zu-Mund-Propaganda – nix da SchülerVZ oder Knuddels.
Meine Eltern arbeiteten damals bereits ziemlich viel und von daher kann man sich denken, dass sie es am Wochenende genossen, erstmal vernüftig auszuschlafen. Heute kann ich das natürlich nachvollziehen… damals bestand das optimale Wochenende für mich und meine Schwester jedoch vor allem darin, Sonntag morgens so früh wie möglich aufzustehen, um auch bloß nicht den Li-La-Launebär zu verpassen. Das Problem war dabei jedoch, dass der Fernseher normalerweise im Schlafzimmer meiner Eltern stand. Der Wecker wurde also auf 07:00 morgens gestellt, damit auf jeden Fall genug Zeit für die Fernseh-Vorbereitungen einkalkuliert werden konnte: Zuerst gings auf Zehenspitzen ins Zimmer meiner Eltern. Dort entwickelte ich nach einer gewissen Zeit die besondere Kunst, den Fernseher mitsamt Antennenkonstruktion fast lautlos vom Stromkreislauf zu trennen und ohne einen Mucks über den Flur in unser Kinderzimmer zu befördern. Hierbei machte sich kurioserweise das Skateboard aus dem Baumarkt nützlich, das sich ansonsten aufgrund billigster Kugellager eher als Flop erwiesen hatte.
Wenn es die Glotze dann endlich ins Kinderzimmer geschafft hatte und nach einiger Antennen-Frickelarbeit auch noch ein Bild zu sehen war, dann kehrte bei uns Wochenendfeeling pur ein…vor allem wenn wir zusätzlich noch Übernachtungsbesuch von Luisa und Marie hatten….das war dann schon so gut wie ein Besuch beim Zirkus. Gebannt gaben wir uns den Geschichten von Metty und dem Launebär auf den Launespeicher hin………für mich ist das aus heutiger Sicht vollkommen unverständlich. Schließlich war der Launebär weder niedlich noch spannend geschweige denn irgendwie lustig. Eigentlich war der Launebär vollkommen spaßfrei (wie man auf dem unteren Video sieht)…und so ein bisschen gehörte ich auch damals schon zu den “Coolen”, da ich hauptsächlich an den zwischendurch ausgestrahlten Erfolgsserien wie “David, Der Kabauter” (wovon mir das Titellied wirklich super gefiel) und “Super Mario Bros. Show” interessiert war.
Nunja, ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass auch meine Eltern zumindest am Sonntagmorgen heilfroh waren, dass der Fernseher existierte…schließlich nervten wir nicht rum, machten uns unser Frühstück selbst und waren am Sonntag Abend auch ohne Meckerei früh genug im Bett…Check it out. Very exciting, I promise! Gäääähn………….
Direktlink zum Video auf Youtube
PS: Gott sei Dank hab ich dem Li-La-Launebär damals nix geschickt….mit dem Gedanken gespielt hatte ich aber schon
Musikunterricht – laaaangweilig!
Vor ca. 20 Jahren kam meine Mutter plötzlich auf die Idee, dass ihr damals 10-jähriger Sohn doch auch in den Genuss musikalischer Früherziehung kommen sollte. Also wurde eine Melodica angeschafft und der kleine Moritz musste von da an jeden Mittwoch ins Konservatorium der Musik der Stadt Göttingen.
Natürlich hatte mich meine Mutter vorher gefragt und da ich keinen Plan hatte, wie mit diesem schwarz-weissen Ding umzugehen war, hatte ich bereitwillig zugesagt. Irgendwie fühlte ich damals, dass meiner Mutter das wichtig war und ich wollte sie nicht enttäuschen. Diese selbstlose Zusage meinserseits entpuppte sich jedoch als fataler Fehler. Meine Melodica-Lehrerin hatte die 60 schon überschritten und kam bei der Gestaltung der allwöchentlichen 45 Minuten alles andere als spaßig und locker rüber. Sie war mit der Betreuung der kleinen Gruppe, bestehend aus 6 gelangweilten Musikschülern, anscheinend überfordert und versuchte ihr pädagogisches Unvermögen durch einen harten Führungsstil wieder wett zu machen.
Mir ging aber nicht nur die Lehrerin, sondern auch die Melodica ansich schon aufgrund des Sounds auf die Nerven. Immer die selbe monotone Tonfarbe….und dann konnte man mit dem doofen Ding auch eigentlich gar nix nachspielen bis auf stupide 5-Finger-Melodien. Dazu kam, dass man die ganze Zeit sabbern musste, weil der Speichel aufgrund der großen Öffnung des Mundstücks nicht mehr aufzuhalten war. Er folgte einfach der Schwerkraft und sammelte sich in einem extra geschaffenen Speichel-Behältnis irgendwo im unteren Teil des Nervgerätes. Wie man die überflüssige Spucke wieder los wurde, zeigte uns unsere Lehrerin gleich in der ersten Stunde: Knopf am unteren Teil der Melodica drücken und pusten! Was dann folgte war eklig…gleichzeitig beförderten 6 Fünftklässler ihren Speichel auf den Teppichboden des Übungszimmers. Jetzt war mich auch klar warum es im Konservatorium immer so muffig roch.
Nunja…Gott sei Dank waren die Melodica-Stunden insgesamt auf 10 begrenzt und da es keine wirkliche Kontrollfunktion gab, gelang es mir das eine oder andere Mal, die Musikstunden zu schwänzen. Motiviert wurde ich dazu oft von meinem Kumpel Marc-André, der mich oft zu sich nach Hause einlud, um – na was wohl – Fernsehen zu gucken! Ein etwas schlechtes Gewissen hatte ich da schon….aber das wurde ganz schnell verdrängt, sobald unsere Lieblingsserien hypnotisierend auf uns einprasselten. Leider wurden meine Melodica-Kenntnisse nie auf Video festgehalten, aber sie entsprachen ungefähr den Fähigkeiten meines Leidensgenossen im unten verlinkten Video…laaangweilig!
Direktlink zum Video auf Youtube
gääääähhhn…..
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