Vor 20 Jahren gab es noch die D-Mark. Davon bekam ich im Jahr 1989 so ca. eine halbe pro Woche als Taschengeld von meinen Eltern. Das war zwar nicht besonders viel, aber es reichte aus, damit ich mich ab und zu neben meinem ersten Hobby – Fernsehen gucken – meinem zweiten Hobby – Süßigkeiten auswählen, kaufen und aufessen – widmen konnte. Mein Faible für Weingummi, Brausepulver und andere Köstlichkeiten hatte ich wohl von meinem Vater Hans geerbt, der auch jetzt – 20 Jahre später – immer noch regelmäßig eine Tüte Haribo unterm Kopfkissen verstaut und meiner Mutter durch lautes Geknister die Nachtruhe raubt. Nunja…immer wenn es Montags Taschengeld gab ging ich mit den 50 Pfennig zum Bäcker Gerhardy und haute die ganze Kohle auf den Kopp. Meine Favourites von damals gibt es heute tatsächlich immer noch: grüne Frösche, salzige Lakritzbrezeln und die gelben Bananen, die außer mir irgendwie keiner mochte. Das absolute Highlight war aber Magic Gum, das leckere Weltraum-Knall-Knister-Kaugummi, das ich mir sonst für 15 Pfennig pro Packung leistete. Das knallte und prickelte wenn man es auf die Zunge gab. Mit dem Zeug fühlte man sich einfach cool! Mein Verlangen nach solchem Süßkram wurde immer größer und daher musste eine alternative Geldquelle zu meinem stets leeren Sparschwein gefunden werden: Das Portemonnaie meiner Mutter. An die Geldbörse meines Vaters war leider nur schwer heranzukommen, da sie sich wirklich immer (und da gab es keine Ausnahme) in der rechten Hintertasche seiner Jeans befand. Meine Mutter ließ ihr Portmonnaie hingegen immer unbeachtet in ihrer Handtasche…sie vertraute mir und meiner Schwester halt. Was für ein Fehler! Es war für mich also ein Klacks zunächst immer nur ein paar Groschen zu mopsen. Irgendwann wollte ich jedoch mehr und wurde unverhältnismäßig gierig. Ganze 5 D-Mark, für mich damals ein halbes Vermögen, wanderten auf höchst illegalem Wege in meinen Besitz über. Ich wollte nicht, dass mich meine Eltern mit dem Geld erwischten bzw. irgendwie mitbekamen, dass ich plötzlich reich war. Ich konnte ja auch nicht einfach mit einer Riesen
tüte Süßigkeiten zuhause aufkreuzen, das wäre aufgefallen. Also heckte ich einen teuflischen Plan aus. Bevor wir eines Sonntags zum Italiener Essen gingen, lief ich nach unten und deponierte den Heiermann neben dem Bordstein. Als wir dann gemeinsam los wollten rief ich: “Guck mal Mama, 5 Mark! Die darf ich jetzt behalten!” Da meine Eltern ja nun direkte Zeugen meiner Entdeckung wurden stand de
m natürlich nichts entgegen. Ich war happy und investierte die Kohle tags drauf direkt wieder in süße Leckereien. Ich hielt mich für tierisch gerissen, aber leider ging meine grandiose Taschengeld-Maximierungs-Idee nur ein mal wirklich gut. Ich bekam dummerweise den Hals nicht voll und als ich es eine Woche später wieder mit der selben Masche versuchte ging meinen Eltern ein Licht auf: “So viel Glück auf einmal kann man gar nicht haben!” Die nächsten Wochen gab’s also kein Taschengeld, meine Mutter passte besser auf ihr Geld auf und ich bekam höchstens noch irgendwo ne Leckmuschel ab. Die waren aber lange nicht so cool wie Magic Gum sondern eher was für Weicheier!
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Leckmuschel oder Magic Gum? Taschengeld-Maximierung für Gewiefte…
Ich fang jetzt übrigens auch an zu bloggen…
…meinte ich so am Telefon zu meiner Schwester.
“Wie, du willst über so altes Zeug schreiben? Das interessiert doch keinen… ist das nicht irgendwie ein bisschen reaktionär?”
Meine Schwester mag Recht haben, aber irgendwie erinnere ich mich gerne 20 Jahre zurück: die Mauer war gerade dabei umzufallen, der Wind of Change fing an durch die Nation zu wehen und ich hatte seit kurzem meinen zehnten Geburtstag hinter mir. Vom Internet war damals noch keine Rede…es wurden noch Zeitschriften zuhauf gekauft und das Privatfernsehen kam plötzlich richtig in Fahrt. Unsere Tennisstars Steffi und Boris blühten voll auf, die kitschig-synthetischen Popsongs wurden zwar weniger, doch stattdessen machte sich langsam ein härterer und stumpferer Sound breit, der der europäischen Plattenindustrie traumhafte Gewinne bescheren sollte: Eurodance – auf CD!
Ich selbst war gerade frisch in die 5. Klasse gewechselt und nahm mit stetig wachsender Motivation immer mehr wichtige Informationen in mich auf, um die Erweiterung meines Wissenshorizonts stetig nach vorne zu treiben. Meine meist wöchentlich aktualisierten Informationsquellen hießen: Bravo, Pop-Rocky, Popcorn und etliche andere Jugendmagazine, die ich regelmässig mit meinen Klassenkameraden austauschte. Außerdem trugen etliche TV-Shows zu meiner persönlichen Weiterbildung bei. Darunter fielen natürlich Ami-Action-Serien wie das A-Team, Knight-Rider und Streethawk… aber auch kultiviertere Formate wie “Die Mini Playback Show” mit Mareike Amado und “Der Preis ist heiß” schaute ich mir heimlich mit meinen Freunden an, während unsere Eltern arbeiteten, einkaufen waren oder zum Squash spielen gingen (gibt es diese Sportart heute eigentlich noch?).
20 Jahre – Manchmal denke ich voller Scham an bestimmte Ereignisse oder persönliche Abstecher in (vor allem) musikalische Gefilde, genauso erfüllen mich manche Erinnerungen jedoch mit großer Freude und manchmal sogar mit ein wenig Wehmut. Von all diesen (teils persönlichen) Erinnerungen zur Popkultur der 90er Jahre, den damit verbundenen musikalischen, modischen und medialen Fehltritten – aber auch Glanzleistungen – soll dieses Blog handeln. Dabei werde ich versuchen einigermaßen chronologisch vorzugehen…dass ich jedoch nicht zwischenzeitlich abschweifen und mich gegebenenfalls evtl. auch zum Horst machen werde kann ich an dieser Stelle leider nicht garantieren.
Also…egal was soll’s, liebe Schwester: wieso über was Neues schreiben? Von aktuellen Neuigkeiten aus Technik, Kultur und Politik handeln doch heute schon 98% aller Blogs. Wieso nicht mal zurück blicken?
Ich hab da jetzt jedenfalls Bock zu und freue mich auf Vorschläge, rege Teilnahme und vielleicht auch die ein oder andere Weiterempfehlung wenn ich euch zum Schmunzeln onder Zurückblicken anregen konnte.
Dann lass mal loslegen…
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